Zum Inhalt springen
KI in der Praxis

Claude Cowork: Wofür 600.000 Firmen KI wirklich nutzen

Anthropic hat 1,2 Millionen Sitzungen ausgewertet. Ergebnis: Der KI-Agent übernimmt vor allem Reporting, Onboarding und Foliensätze – nicht das Programmieren.

Lukas GörögLukas Görög3 Min. Lesezeit
Claude Cowork: Wofür 600.000 Firmen KI wirklich nutzen
Claude Cowork: Wofür 600.000 Firmen KI wirklich nutzen

Wofür setzen Unternehmen KI-Agenten tatsächlich ein? Die Auswertung von 1,2 Millionen Claude-Cowork-Sitzungen aus über 600.000 Organisationen liefert eine klare Antwort: nicht fürs Programmieren, sondern für die Büroarbeit neben der eigentlichen Facharbeit. 33,4 Prozent der Nutzung entfallen laut den von Medien ausgewerteten Anthropic-Zahlen auf Geschäftsprozesse, 16,4 Prozent auf Texterstellung, nur 8,7 Prozent auf Softwareentwicklung. Das widerspricht einer verbreiteten Erwartung.

Anthropic nennt diesen Schwerpunkt „the work around the work“, also die Koordination, Dokumentation und das Reporting, die neben der eigentlichen Aufgabe anfallen. Wer verstehen will, wo KI-Agenten im Arbeitsalltag wirklich greifen, findet hier belastbarere Hinweise als in den meisten Produktdemos.

Was zeigen die Zahlen aus 1,2 Millionen Cowork-Sitzungen?

Sie zeigen, dass Cowork überwiegend in nicht-technischen Rollen ankommt. Anthropic wertete 1,2 Millionen Sitzungen aus über 600.000 Organisationen aus, wie ein Bericht auf Basis dieser Anthropic-Angaben festhält. Die Verteilung widerlegt laut dieser Auswertung die Annahme, dass KI-Agenten vor allem der Softwareentwicklung dienen.

  • 33,4 Prozent Geschäftsprozesse: verstreute Updates in einen Statusbericht zusammenführen, Onboarding-Checklisten erstellen, Tabellen abgleichen. Typisch in Finanz-, HR- und Verwaltungsrollen.

  • 16,4 Prozent Content-Erstellung und Copywriting: Entwürfe, Präsentationen, Social-Media-Posts, Angebote. Meist aus Marketing- und Managementfunktionen.

  • 8,7 Prozent Softwareentwicklung: ein klar untergeordneter Anteil, der zeigt, dass Entwickler weiterhin überwiegend Claude Code nutzen.

Zur Einordnung: Die Daten stammen aus Anthropic-Angaben, die Medien zusammengefasst haben.

Was bedeutet „Arbeit neben der Arbeit“ konkret?

Gemeint ist die Verwaltungsarbeit, die jede Kernaufgabe umgibt und Zeit frisst, ohne selbst etwas zu schaffen. Cowork übernimmt hier mehrstufige Routineaufgaben eigenständig: Es plant, ordnet Dateien, verwandelt verstreute Notizen in formatierte Dokumente und führt Daten zusammen, ohne dass Nutzer jeden Schritt beaufsichtigen müssen.

Aus den Produktbeschreibungen und einem DataCamp-Tutorial zu Cowork lassen sich die häufigen Aufgaben ableiten:

  1. Ordner und Dateistrukturen sortieren, etwa Downloads oder Projektordner.

  2. Statusberichte aus verteilten Quellen zusammenführen.

  3. Onboarding-Dokumente und Checklisten erstellen.

  4. Präsentationen und Foliensätze bauen.

  5. Tabellen abgleichen und Recherchen zusammenfassen.

Aus meiner Beratungspraxis sind das genau die Aufgaben, die in vielen Teams zwischen den Zuständigkeiten liegen und niemandem richtig gehören. Dass ein Agent sie übernimmt, wirkt weniger auffällig als eine automatisierte Codebasis, trifft aber einen größeren Teil des Arbeitstags. Wenn Sie prüfen wollen, wo solche wiederkehrenden Prozesse in Ihrem Büroalltag liegen und wie sie sich mit KI abbilden lassen, ist der zweitägige Workshop zu KI-Automatisierung und Workflows im Büroalltag ein sinnvoller Einstieg, vor allem für Operations-, Finanz- und Verwaltungsrollen. Wer bereits ein festes Automatisierungswerkzeug einsetzt, braucht ihn eher nicht.

Wie unterscheidet sich Cowork von Claude Code?

Cowork und Claude Code teilen sich die Aufgaben klar auf. Claude Code bleibt das Werkzeug für Softwareentwicklung, Cowork ist der Agent für allgemeine Wissensarbeit und Büroprozesse. Der niedrige Entwicklungsanteil von 8,7 Prozent bestätigt genau diese Trennung: Entwickler wandern nicht zu Cowork ab, sie nutzen weiter das spezialisierte Tool.

Wie viel ein Agent im Entwicklungskontext leisten kann, haben wir an einem Beispiel beschrieben: wie Claude Code rund 40 Stunden Arbeit übernimmt. Cowork zielt dagegen auf die breite Masse der Wissensarbeiter, die keine Zeile Code schreiben. Diese Zweiteilung erklärt, warum die Nutzungszahlen so anders ausfallen als der öffentliche Hype um Coding-Agenten.

Wo läuft Cowork und was kostet der Zugang?

Cowork startete als Desktop-Anwendung für macOS und Windows und läuft inzwischen auch im Web und auf dem Smartphone. Sitzungen laufen in der BetaEine Vorabphase, in der ein Produkt bereits nutzbar ist, aber noch nicht als final gilt und Funktionen sich ändern können. remoteDie Verarbeitung läuft auf den Servern des Anbieters statt auf dem eigenen Gerät., Dateien und Sitzungen liegen im Claude-Konto und folgen den Nutzern über die Geräte hinweg. Das Tool gibt es nur in bezahlten Plänen.

Die wichtigsten Punkte aus der Anthropic-Dokumentation:

  • Verfügbar in den Plänen Pro, Max, Team und Enterprise.

  • Für lokalen Dateizugriff, Browser-Nutzung und Computer-Steuerung bleibt die Desktop-App nötig, auch wenn die eigentliche Arbeit serverseitig läuft.

  • Chat und Cowork teilen sich eine Oberfläche: Man übergibt eine Aufgabe im selben Nachrichtenfeld wie in einem normalen Claude-Chat.

Anthropic positioniert Cowork auf der offiziellen Produktseite als Agent, der Aufgaben erledigt, während Nutzer in Meetings oder unterwegs sind, und beschreibt das Produkt seit Januar 2026 weiterhin als Research PreviewEine frühe, öffentlich zugängliche Vorabversion eines Produkts, die noch getestet und weiterentwickelt wird..

Was bedeutet das für Ihr Unternehmen?

Die Zahlen verschieben den Blick von der IT-Abteilung in die Fachbereiche. Wenn 50 Prozent der Nutzung auf Geschäftsprozesse und Texterstellung entfallen, liegt das größte Einsparpotenzial nicht bei den Entwicklern, sondern in Finanzen, HR, Verwaltung und Marketing. Das passt zur Beobachtung, dass Sachbearbeitung neue Berufsbilder bekommt.

Ein realistischer nächster Schritt: Suchen Sie zwei oder drei wiederkehrende Reporting- oder Dokumentationsaufgaben, die heute manuell erledigt werden, und testen Sie sie mit einem Agenten in einem kontrollierten Rahmen. Behalten Sie den Datenschutz im Blick, denn Cowork läuft remote und kann Zugriff auf Dateien und Browser erhalten.

Zurück zur Ausgangsfrage: Wofür Firmen KI wirklich nutzen, entscheidet sich derzeit nicht am auffälligen Coding-Einsatz, sondern an der unscheinbaren Büroarbeit, die bislang zwischen den Aufgaben lag. Genau dort setzt sich Cowork durch, und genau dort lohnt sich der erste Blick.

Häufige Fragen

Was unterscheidet Claude Cowork von Claude Code?

Cowork richtet sich an nicht-technische Rollen und übernimmt Büroaufgaben wie Statusberichte, Checklisten und Textentwürfe. Claude Code bleibt das Werkzeug für Entwickler. Die Auswertung zeigt: Nur 8,7 Prozent der Cowork-Nutzung entfielen auf Softwareentwicklung, weil Programmierer weiterhin überwiegend zu Claude Code greifen.

Was meint Anthropic mit „the work around the work“?

Damit ist die Arbeit gemeint, die neben der eigentlichen Facharbeit anfällt: Koordination, Dokumentation und Reporting. Also verstreute Updates zu einem Bericht zusammenführen, Onboarding-Checklisten erstellen oder Tabellen abgleichen. Genau diese Geschäftsprozesse machten mit 33,4 Prozent den größten Nutzungsanteil aus, nicht das Programmieren.

Wie belastbar sind diese Zahlen eigentlich?

Die Daten stammen aus Anthropic-Angaben, die Medien zusammengefasst haben. Öffentlich einsehbare Rohdaten der 1,2 Millionen Sitzungen gibt es nicht. Man sollte die Verteilung also als Hinweis des Anbieters selbst lesen, nicht als unabhängig geprüfte Statistik. Die Größenordnung – über 600.000 Organisationen – bleibt trotzdem aufschlussreich.

Für welche Abteilungen lohnt sich Cowork am ehesten?

Laut der Auswertung greift Cowork vor allem in Finanz-, HR- und Verwaltungsrollen, wo Geschäftsprozesse den größten Block bilden. Content-Erstellung und Copywriting mit 16,4 Prozent kamen meist aus Marketing- und Managementfunktionen. Wer viel koordiniert, dokumentiert oder Texte entwirft, profitiert stärker als reine Entwicklerteams.

Wie steige ich als Manager sinnvoll ein?

Beginnen Sie mit konkreten Routineaufgaben: Statusberichte bündeln, Angebote entwerfen, Tabellen abgleichen. Genau dort zeigten die Zahlen den größten Nutzen. Wichtig ist ein präziser Prompt und das Prüfen der Ergebnisse. Eine strukturierte Einführung hilft, den Übergang von der Produktdemo zum echten Arbeitsalltag zu schaffen.

Ersetzt ein KI-Agent damit ganze Bürojobs?

Die Zahlen deuten eher auf Entlastung als auf Ersatz hin. Cowork übernimmt die Arbeit neben der Facharbeit – Koordination, Dokumentation, Reporting. Die eigentliche fachliche Entscheidung und Prüfung bleibt beim Menschen. Wie sich Berufsbilder dadurch verschieben, zeigt sich vor allem in der klassischen Sachbearbeitung.

Teilen