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KI-Agenten Business-Software: 234 Milliarden im Umbruch

Was Gartners Prognose zum Softwaremarkt für Unternehmen im DACH-Raum wirklich bedeutet und wie Führungskräfte reagieren sollten.

Lukas GörögLukas Görög5 Min. Lesezeit
KI-Agenten Business-Software: 234 Milliarden im Umbruch
KI-Agenten Business-Software: 234 Milliarden im Umbruch

Gartner geht davon aus, dass durch den Einsatz von KI-Agenten Business-Software im Volumen von bis zu 234 Milliarden US-Dollar in Bewegung gerät. Die Zahl beschreibt keinen Umsatz, der über Nacht verschwindet, sondern einen Markt, dessen Logik sich verschiebt: Wer künftig Software bedient und wo der Wert steckt, ist die eigentliche Frage. Für Unternehmen im DACH-Raum heißt das, die Rolle ihrer bestehenden Systeme neu zu denken, nicht sie panisch abzuschreiben.

Diese Prognose stammt aus einem früheren Gartner-Bericht, wie heise online berichtet. Sie beschreibt einen Umbruch, den die Marktforscher kommen sehen, weil Unternehmen zunehmend KI-Agenten einsetzen. Bevor Sie darauf reagieren, lohnt der Blick hinter die Zahl und in den aktuellen Marktkontext.

Was steckt hinter der Zahl von 234 Milliarden Dollar?

Die 234 Milliarden US-Dollar bezeichnen den Softwareumsatz, den Gartner durch die Verbreitung von KI-Agenten für gefährdet hält. Es geht um klassische Business-Software wie ERP-, CRM- und Collaboration-Systeme, deren Lizenzmodell an der Nutzung durch Menschen hängt. Wenn Agenten diese Aufgaben übernehmen, verändert sich die Grundlage der Abrechnung.

Wichtig ist die Einordnung. Solche Prognosen sind Szenarien, keine gemessenen Fakten. Sie modellieren, was passieren könnte, wenn eine Technologie sich wie angenommen durchsetzt. Runde Milliardenzahlen aus Marktforschung sollten Sie als Richtungsanzeige lesen, nicht als Kassensturz. Der Kern der These trägt trotzdem: Die Bedienung von Software verlagert sich vom Menschen zum Agenten.

Wie groß ist der Markt für KI-Agenten wirklich?

Der eigenständige Markt für KI-Agenten ist heute noch klein, wächst aber schnell. Aktuelle Studien beziffern das globale Volumen 2025 auf einen einstelligen Milliardenbetrag, mit prognostizierten jährlichen Wachstumsraten zwischen rund 38 und 47 Prozent. Das erklärt, warum der Umbruch bei der Business-Software als schrittweiser Prozess und nicht als plötzlicher Bruch zu erwarten ist.

Die Zahlen der Research-Häuser liegen dabei erkennbar auseinander, was zur Vorsicht mahnt:

  • Fortune Business Insights schätzt die globale Marktgröße für KI-Agenten 2025 auf 8,03 Milliarden US-Dollar und erwartet ein Wachstum von 11,78 Milliarden (2026) auf 251,38 Milliarden US-Dollar bis 2034, bei einer jährlichen Rate von 46,61 Prozent.
  • GMI Insights setzt 2024 bei 5,9 Milliarden US-Dollar an und rechnet mit 105,6 Milliarden bis 2034, bei einer CAGR von 38,5 Prozent.
  • Astute Analytica beziffert den engeren Markt für agentenbasierte KI in Unternehmen 2025 auf 2,42 Milliarden US-Dollar mit Ziel 105,7 Milliarden bis 2035.

Solche Spannen sind normal, wenn ein Markt jung ist und die Definitionen sich unterscheiden. Was zählt: Die Wachstumsrichtung ist über alle Häuser hinweg einheitlich, das absolute Volumen bleibt unsicher.

Warum verschwindet die Business-Software nicht einfach?

Weil Agenten die vorhandenen Systeme brauchen, statt sie zu ersetzen. Ein KI-Agent orchestriert Prozesse und greift dabei auf die Daten aus ERP, CRM und Collaboration-Tools zu. Die Software wird zur Datenschicht und zum Handlungsraum des Agenten. Ihre Bedienoberfläche verliert an Bedeutung, ihre Datenbasis gewinnt sie.

Das branchennahe Fachmedium it-markt.ch beschreibt genau diese Verschiebung: Business-Software werde zum Fundament, auf dem Agenten arbeiten. Aus meiner Beratungspraxis passt das zum Muster, das sich bei jeder Automatisierungswelle wiederholt. Die Kernsysteme bleiben, die Interaktionsebene ändert sich. Wer heute in saubere Datenstrukturen investiert, macht seine bestehende Software für Agenten überhaupt erst nutzbar.

Wer die Debatte um überzogene Erwartungen einordnen will, findet in unserer Analyse dazu, was die Warnungen vor einer KI-Blase für Ihre Strategie bedeuten, eine nüchterne Gegenperspektive zu Milliardenprognosen.

Wo steht Europa in diesem Markt?

Europa spielt eine relevante, aber nicht führende Rolle. Nordamerika dominiert den Markt für KI-Agenten mit einem Anteil von rund 38 Prozent im Jahr 2025, Europa folgt mit etwa 27 Prozent, danach der asiatisch-pazifische Raum mit rund 25 Prozent. Das sind Zahlen von Fortune Business Insights.

Für den agentischen KI-Markt insgesamt beziffert Fortune Business Insights das europäische Volumen 2025 auf 2,31 Milliarden US-Dollar, mit einer Prognose von 2,96 Milliarden für 2026. Konkrete Zahlen speziell für den DACH-Raum liegen in diesen Studien nicht vor. Auffällig ist die Konzentration der Anbieter: Laut GMI Insights entfielen 2024 rund 56 Prozent des Marktes auf sieben Konzerne, darunter Amazon, Anthropic, Google, IBM, Meta, Microsoft und OpenAI. Die Wertschöpfung sitzt also überwiegend außerhalb Europas.

Was sollten Führungskräfte im DACH-Raum jetzt tun?

Die richtige Reaktion ist nicht der schnelle Lizenzkauf, sondern die ehrliche Prüfung eigener Prozesse. Nicht jede Aufgabe eignet sich für einen Agenten. Gut funktioniert es dort, wo Abläufe wiederkehren, klar abgegrenzt sind und sich messen lassen. Schlecht dort, wo Urteil, Verantwortung und Ausnahmen dominieren.

Ein pragmatischer Einstieg in vier Schritten:

  1. Prozesse identifizieren, die oft vorkommen und in Zeit oder Fehlern messbar sind.
  2. Datenqualität prüfen, denn Agenten arbeiten nur so gut wie die Systeme, aus denen sie lesen.
  3. Einen Anwendungsfall pilotieren, statt breit auszurollen.
  4. Verantwortlichkeiten klären: Wer prüft, wer haftet, wo bleibt der Mensch die Instanz.

Wenn Sie an diesem Punkt praktisches Rüstzeug suchen, um Agenten sinnvoll in bestehende Abläufe einzubauen, kann ein zweitägiger Praxisworkshop zum Aufbau von KI-Agenten und KI-Teams die Lücke zwischen Prognose und eigenem Anwendungsfall schließen. Er richtet sich an IT, Operations und Management und ist weniger geeignet, wenn Sie noch keinen konkreten Prozess vor Augen haben. Ohne diesen Prozess bringt jede Schulung wenig.

Wer zunächst kleiner anfangen will, findet in einem Format zur Automatisierung wiederkehrender Aufgaben im Büroalltag einen niedrigschwelligen Einstieg, bevor Sie sich an komplexe Agentensysteme wagen.

Wie belastbar ist Gartners Zahl für Ihre Planung?

Als Planungsgrundlage taugt die Zahl nur bedingt. Sie beschreibt einen möglichen Verlauf, keinen Fahrplan. Mein Eindruck als Berater: Wer sein Budget an einer einzelnen Milliardenprognose ausrichtet, verwechselt Marktforschung mit Prophetie. Beobachten sollten Sie den Trend, entscheiden anhand eigener Zahlen.

Zwei Dinge sind belegt und für Sie relevant. Erstens wächst der Markt für agentische KI schnell und über mehrere Studien hinweg konsistent in dieselbe Richtung. Zweitens verschiebt sich die Rolle klassischer Business-Software von der Bedienoberfläche zur Datengrundlage. Beides passiert schrittweise, nicht als Bruch.

Was bleibt von den 234 Milliarden für Ihr Unternehmen?

Zurück zur Ausgangsfrage: Stellen KI-Agenten die Business-Software auf den Kopf? Für die Art, wie Menschen mit Software arbeiten, zunehmend ja. Für die Systeme selbst eher nicht, denn Agenten brauchen sie als Fundament. Die 234 Milliarden US-Dollar markieren weniger einen Verlust als eine Umverteilung des Werts, weg von Klicks, hin zu Daten und Orchestrierung.

Der nächste Schritt ist kein großer Einkauf. Suchen Sie den einen Prozess, der oft vorkommt und Zeit kostet, und prüfen Sie an ihm, was ein Agent tatsächlich leistet. Daran entscheidet sich der Nutzen, nicht an der Prognose.

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