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Strategie & Management

Anthropic verliert: Pentagon darf Claude-Anbieter sperren

Ausgelöst hat den Streit Anthropics Verbot, Claude für autonome Waffen und Massenüberwachung zu nutzen. Eine weitere Berufung bleibt möglich.

Lukas GörögLukas Görög2 Min. Lesezeit
Anthropic verliert: Pentagon darf Claude-Anbieter sperren
Anthropic verliert: Pentagon darf Claude-Anbieter sperren

Mit 2:1 Stimmen hat der U.S. Court of Appeals for the District of Columbia Circuit am 25. September 2026 bestätigt, dass das Pentagon Anthropic von Militäraufträgen ausschließen und als Sicherheitsrisiko in der LieferketteAlle Zulieferer und Dienstleister eines Auftraggebers. Wer dort als Risiko gilt, darf auch nicht über Dritte liefern. führen darf (Quelle: Reuters). Anthropic ist das US-Unternehmen hinter dem Chatbot ClaudeDas Sprachmodell und der Chatbot von Anthropic, vergleichbar mit ChatGPT von OpenAI., einem direkten Konkurrenten von ChatGPT. Ausgelöst hat den Streit die Weigerung der Firma, ihre Modelle für autonome Waffen oder Massenüberwachung freizugeben.

Das Gericht sah nach Darstellung von The Hill «ample support», also ausreichende Anhaltspunkte, für die Annahme, dass der weitere Einsatz von Claude durch das Ministerium oder dessen Auftragnehmer ein Risiko sein könne (Quelle: The Hill).

Anthropic beziffert den Schaden auf Milliarden Dollar

Anthropic hatte argumentiert, das Verteidigungsministerium bestrafe das Unternehmen für seine Positionen zu KI-Sicherheit und Ethik. Dieses Argument wies das Gericht zurück (Quelle: CNBC). Nach eigener Darstellung kostet die Einstufung das Unternehmen Milliarden US-Dollar an entgangenem Geschäft und beschädigt seinen Ruf vor einem geplanten Börsengang.

Eine weitere Berufung ist möglich. Ob Anthropic diesen Weg geht, ist offen.

Bemerkenswert an der Konstellation: Die Nutzungsregeln, die Anthropic als Kern seiner Sicherheitsstrategie beschreibt, wertet der größte Einzelkunde des US-Technologiemarkts als Mangel. Wer Grenzen in die Produktbedingungen schreibt, liefert damit ein Ausschlusskriterium in Beschaffungsverfahren. Sonst verkauft Anthropic branchenspezifisch, zuletzt etwa ein Produkt für Finanzberater.

Sind selbst gesetzte Einsatzgrenzen für KI-Anbieter im Geschäft mit dem Staat eher Vorteil oder Nachteil?

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Ein DeepMind-Forscher kündigt wegen des Tempos

Am Tag vor dem Urteil schrieb Robert O'Callahan, Forscher bei Google DeepMind, auf seinem persönlichen Blog, er verlasse Google (Quelle: robert.ocallahan.org). Sein Team arbeite daran, KI deutlich billiger und mit geringerer Verzögerung laufen zu lassen. Den Fortschritt halte er derzeit für «viel zu schnell». In ein anderes Google-Projekt zu wechseln, das die Entwicklung nicht beschleunige, sei für ihn praktisch unmöglich gewesen.

In einem weiteren Beitrag nannte er den konkreten Gegenstand seiner Arbeit: eine neue Chip-Generation, die KI schneller und günstiger machen soll (Quelle: Business Insider). Von einem internen Konflikt oder einer Entlassung berichtet keine der Quellen.

Beide Vorgänge betreffen denselben Punkt aus entgegengesetzten Richtungen: Wer setzt die Grenze, und wer trägt die Kosten dafür. Im Fall Anthropic hat ein Gericht entschieden, dass ein Anbieter seine eigenen Einsatzverbote nicht zulasten staatlicher Beschaffung durchsetzen kann. Im Fall O'Callahan zieht ein Einzelner die Grenze für sich, weil er sie in der Organisation nicht ziehen kann. Die verbreitete Annahme, freiwillige Selbstbeschränkung sei ein Wettbewerbsvorteil im Sicherheitsmarkt, hält dieser Woche nicht stand. Sie ist ein Preis, und das Pentagon hat ihn gerade ausgeschrieben.

Quellen:

Häufige Fragen

Was bedeutet das Urteil konkret für Anthropic?

Das Berufungsgericht bestätigte mit zwei zu einer Stimme, dass das Pentagon Anthropic von Militäraufträgen ausschließen darf. Das Ministerium darf den Claude-Anbieter außerdem als Sicherheitsrisiko in seiner Lieferkette führen. Die Entscheidung betrifft damit vor allem staatliche Beschaffung und die Nutzung durch das Pentagon oder dessen Auftragnehmer.

Darf das Pentagon Claude nun generell verbieten?

Nein. Das Urteil erlaubt dem Pentagon, Anthropic aus militärischen Beschaffungsverfahren auszuschließen und als Lieferkettenrisiko zu behandeln. Eine allgemeine Sperre für Claude geht daraus nicht hervor. Der Streit betrifft den Einsatz durch das Ministerium, seine Auftragnehmer und die Bedingungen, unter denen Anthropic Militärgeschäfte anbieten kann.

Warum wertete das Gericht Anthropics Sicherheitsregeln als Risiko?

Anthropic wollte seine Modelle nicht für autonome Waffen oder Massenüberwachung freigeben. Das Unternehmen sah darin eine Sicherheits- und Ethikgrenze. Das Gericht folgte jedoch der Einschätzung, es gebe ausreichende Anhaltspunkte für ein Risiko beim weiteren Einsatz von Claude durch das Pentagon oder dessen Auftragnehmer. Die Position des Unternehmens galt damit nicht als ausreichender Schutz vor militärischen Risiken.

Kann Anthropic noch gegen die Entscheidung vorgehen?

Eine weitere Berufung ist möglich. Anthropic hat nach den vorliegenden Angaben aber noch nicht entschieden, ob das Unternehmen diesen Weg einschlägt. Bis zu einer möglichen neuen Entscheidung bleibt das Urteil des Berufungsgerichts maßgeblich. Anthropic beziffert den entgangenen Umsatz nach eigener Darstellung auf Milliarden Dollar und sieht auch seinen geplanten Börsengang belastet.

Was ändert der Fall für andere KI-Anbieter?

Der Fall zeigt, dass Nutzungsregeln in staatlichen Beschaffungsverfahren zum Ausschlussgrund werden können. Ein Anbieter darf den Einsatz seiner Modelle begrenzen, riskiert damit aber bestimmte Verträge. Das Urteil schafft keine allgemeine Pflicht für andere KI-Unternehmen. Es erhöht jedoch den Druck, Sicherheitsvorgaben und Anforderungen staatlicher Kunden miteinander zu vereinbaren.

Was bedeutet der Streit für Claude in Finanzberufen?

Anthropic kann Claude weiterhin für branchenspezifische Angebote entwickeln. Dazu zählt ein Produkt für Finanzberater, bei dem die Haftung laut Artikel beim Menschen bleibt. Der Konflikt mit dem Pentagon betrifft nicht automatisch dieses Angebot. Er zeigt aber, dass dieselben Sicherheitsgrenzen je nach Kunde als Schutz oder als geschäftliches Hindernis bewertet werden können.

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