Googles KI-Übersichten meiden Wahlthemen. Wo sie antworten, loben sie Kandidierende
AlgorithmWatch hat rund 4.500 Suchanfragen zu den Landtagswahlen ausgewertet. Die Studie erschien Anfang September 2026, eine datierte Stellungnahme von Google fehlt bisher.

AlgorithmWatch hat rund 4.500 Suchanfragen zu den deutschen Landtagswahlen automatisiert gestellt und geprüft, welche Antworten Googles KI-Übersichten?Von Google automatisch erzeugte Zusammenfassungen oberhalb der klassischen Trefferliste, englisch «AI Overviews». Sie beantworten die Suchanfrage direkt, statt nur Links zu zeigen. darauf geben. Bei wahlbezogenen Fragen erschien in 39,1 Prozent der Fälle eine solche Zusammenfassung, bei unpolitischen Vergleichsfragen in 65,3 Prozent. So steht es in der Studie von AlgorithmWatch, die Anfang September 2026 erschien. Die Organisation nennt das Ergebnis ein intransparentes Informationsroulette: Von außen lässt sich nicht nachvollziehen, wann eine KI-Antwort kommt und wann nicht.
Fachmedien greifen den Befund auf. Ein Newsroom-Eintrag eines KI-Fachdienstes vom 20. September 2026 fasst die Auswertung unter der Überschrift zusammen, AlgorithmWatch finde Neutralitätsprobleme; die Inhalte wirkten „nicht immer neutral“. Auch die Pressesektion von AlgorithmWatch wurde am 20. September aktualisiert.
Kandidierende kommen oft gut weg
Wo Google antwortet, fällt die Wortwahl auf. Kandidierende würden in den Zusammenfassungen häufig mit lobenden Formulierungen beschrieben, berichtet der Standard unter Berufung auf die Untersuchung. Dazu kommt eine schmale Quellenbasis: Die KI-Übersichten stützen sich laut der Auswertung auf wenige Websites und geben teils Positionen wieder, ohne sie als Position zu kennzeichnen. The Decoder griff die Studie in derselben Woche auf und hob hervor, wie stark sich die Quellen konzentrieren.
Die Beschwerde liegt bei der Bundesnetzagentur
AlgorithmWatch forscht nicht nur, die Organisation ist auch Partei in einem laufenden Verfahren. Sie gehört zu einer Allianz aus Nichtregierungsorganisationen und Medienverbänden, die im September 2026 Beschwerde bei der Bundesnetzagentur eingereicht hat. Die Begründung: Googles KI-Zusammenfassungen seien ein „Traffic Killer“ für unabhängige Medien, weil Nutzerinnen und Nutzer die verlinkten Seiten gar nicht mehr aufrufen. Zuständig ist die Behörde als nationale Koordinierungsstelle für digitale Dienste nach dem Digital Services Act?EU-Verordnung über digitale Dienste. Sie verpflichtet sehr große Plattformen unter anderem dazu, Risiken für die öffentliche Meinungsbildung zu prüfen und offenzulegen.. Dieses Eigeninteresse gehört zur Einordnung der Studie, entkräftet die Messwerte aber nicht.
Für Unternehmen zählt vor allem der wirtschaftliche Teil der Beschwerde. Wer Reichweite über die Google-SucheWerden Sie in ChatGPT, Perplexity und Google AI gefunden. bezieht, verliert Klicks an eine Antwort, deren Zustandekommen niemand von außen prüfen kann. Welche Modelle welche Marken in ihren Antworten bevorzugen, lässt sich inzwischen messen: Ein Tracker vergleicht sieben KI-Modelle und zeigt, dass Anbieter ihre eigenen Produkte empfehlen.
Die Studie misst einen Zustand im Sommer 2026, kein dauerhaftes Verhalten des Systems. Google ändert die Ausspielung der KI-Übersichten laufend und dokumentiert die Änderungen nicht. Für Kommunikationsabteilungen folgt daraus ein nüchterner Auftrag: regelmäßig selbst nachsehen, was die Suchmaschine zu den eigenen Themen und Personen ausgibt, und die Ergebnisse festhalten. Einmal prüfen reicht nicht.
Häufige Fragen
Wie hat AlgorithmWatch die Google-KI-Übersichten untersucht?
AlgorithmWatch stellte automatisiert rund 4.500 Suchanfragen zu deutschen Landtagswahlen. Die Organisation prüfte, ob Google eine KI-Übersicht anzeigte und welche Inhalte darin standen. Als Vergleich dienten unpolitische Fragen, bei denen ebenfalls die Häufigkeit solcher Zusammenfassungen erfasst wurde. Die Studie erschien Anfang September 2026.
Woran macht AlgorithmWatch die fehlende Neutralität fest?
Die Auswertung nennt lobende Formulierungen über Kandidierende und eine schmale Auswahl an Quellen. Teilweise gab die KI-Übersicht politische Positionen wieder, ohne sie klar als solche zu kennzeichnen. Dadurch könnten Suchende Aussagen als neutrale Einordnung verstehen, obwohl die Darstellung eine bestimmte Wortwahl und Quellenbasis erkennen lässt.
Warum erscheint eine KI-Übersicht bei Wahlfragen seltener?
Bei wahlbezogenen Suchanfragen erschien in 39,1 Prozent der Fälle eine KI-Übersicht. Bei unpolitischen Vergleichsfragen waren es 65,3 Prozent. Die Untersuchung erklärt nicht abschließend, warum Google die Funktion unterschiedlich oft ausspielt. Gerade diese fehlende Nachvollziehbarkeit bezeichnet AlgorithmWatch als intransparentes Informationsroulette.
Was kann die Bundesnetzagentur in diesem Fall prüfen?
AlgorithmWatch gehört zu einer Allianz, die im Zusammenhang mit Googles KI-Übersichten Beschwerde bei der Bundesnetzagentur eingelegt hat. Die Behörde kann den Vorgang im Rahmen ihrer Zuständigkeit für den Digital Services Act prüfen. Ob daraus weitere Schritte entstehen, war zum genannten Stand nicht dokumentiert.
Wie sollten Wahlberechtigte solche KI-Antworten einordnen?
Eine KI-Übersicht eignet sich höchstens als erster Hinweis. Bei Wahlfragen sollten Suchende die angezeigten Quellen öffnen und Aussagen mit Parteiprogrammen, offiziellen Kandidierendenprofilen und mehreren unabhängigen Berichten vergleichen. Das gilt besonders dann, wenn die Zusammenfassung wenige Websites nutzt oder politische Positionen nicht eindeutig kennzeichnet.
Hat Google auf die Untersuchung bereits reagiert?
Google hatte sich zum beschriebenen Zeitpunkt öffentlich und datiert nicht zu der Wahlstudie geäußert. Auch von der Bundesnetzagentur lag keine dokumentierte Reaktion vor, die sich unmittelbar auf die Untersuchung bezog. Deshalb bleibt offen, ob Google die Auswahl der Quellen oder die Wortwahl der Übersichten anpassen wird.
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