OpenAI stoppt eine russische Einflusskampagne mit ChatGPT.
OpenAI hat ein Cluster von ChatGPT-Konten gesperrt, die für ein erfundenes „International Burke Institute“ Beiträge auf Englisch und Deutsch schrieben. Belastbare Reichweitenzahlen nennt der Bericht nicht.

Auf der Website des „International Burke Institute“ waren 34 von 36 untersuchten Fachartikeln aus anderen Quellen kopiert, ein Teil davon realen Wissenschaftlern falsch zugeschrieben. Das Institut existierte nie. OpenAI sperrte am 25. August 2026 ein ganzes Cluster?Hier: eine Gruppe technisch oder inhaltlich miteinander verbundener Nutzerkonten, die gemeinsam gesteuert werden. von ChatGPT-Konten, das diesen Scheinthinktank bewarb, und stufte die Operation als verdeckte Einflusskampagne ein, die „sehr wahrscheinlich“ in Russland begann (OpenAI, 25. August 2026). Der Fall verschiebt die Debatte über KI-Desinformation an eine unangenehme Stelle: Nicht der Text war das Produkt, sondern der Absender.
Die Betreiber verbanden sich per VPN?Ein verschlüsselter Umleitungsdienst, der den Standort eines Zugriffs verschleiert und so regionale Sperren umgeht. mit ChatGPT, um die Sperre für Zugriffe aus Russland zu umgehen. Ihre Prompts gaben sie auf Russisch ein, die Ausgabe verlangten sie auf Englisch und Deutsch – ausdrücklich mit dem Auftrag, sprachliche Spuren russischer Herkunft zu tilgen (RBC Ukraine, 26. August 2026).
Was genau hat OpenAI gesperrt?
Ein Netz verbundener ChatGPT-Konten, das nach Angaben von OpenAI ausschließlich dieser Kampagne diente. Das Modell schrieb Kurztexte, Kommentare und Werbebeiträge für das erfundene Institut, glättete Formulierungen und erzeugte visuelle Elemente wie Logos und Profilbilder. Die langen Aufsätze auf der Website stammten dagegen aus fremden Quellen.
Verbreitet wurden die Inhalte laut den Berichten über mehrere Plattformen:
- X und Facebook, vor allem Kommentare unter Nachrichtenbeiträgen
- LinkedIn, wo das Institut als seriöse Fachadresse auftrat
- Substack für längere Meinungstexte
- Telegram-Kanäle
Die Größenordnung beschreibt OpenAI in einem Satz, der so zitiert wird: „Das ist das erste Mal, dass wir eine mit Russland verbundene Einflussoperation dieser Reichweite gestoppt haben“ („This is the first time we have disrupted a Russia-linked influence operation that has gone this far“, UA.News, 26. August 2026).
Warum ist der erfundene Thinktank gefährlicher als der generierte Text?
Weil er Zitierfähigkeit herstellt. Das IBI hatte eine Anfang 2025 registrierte Website, eine Adresse in Israel und eine Liste angeblicher Mitwirkender, auf der Namen wie Francis Fukuyama und Noam Chomsky standen. Wer die Beiträge prüfte, landete nicht bei einem Bot, sondern bei einer Institution.
Dazu kam ein hauseigener Pseudobefund. Der veröffentlichte „Sovereignty Index“ bewertete Staaten nach angeblicher Souveränität und setzte Russland systematisch über westliche Länder; die russische Armee lag darin um 0,5 Punkte vor der amerikanischen (VentureAtlas, 26. August 2026). Solche Zahlen wirken nicht, weil jemand sie glaubt. Sie wirken, weil man sie zitieren kann: in Kommentarspalten, in Präsentationen, irgendwann in einem Chatbot, der Quellen zusammenfasst und Autorität an der Form erkennt.
Die eigentliche Leistung der Sprachmodelle liegt hier im Zwischenraum. Sie produzierten nicht die Argumente, sondern die tausend kleinen Berührungspunkte, die aus einer Website eine wahrgenommene Adresse machen. Genau deshalb greift die Vorstellung zu kurz, KI-Desinformation lasse sich am Textstil erkennen. Le Monde nennt das Konstrukt in der aktualisierten Fassung einen „echten falschen“ israelischen Thinktank (Le Monde, aktualisiert 26. August 2026). Der Widerspruch im Ausdruck ist der Punkt.
Was bleibt offen, und was heißt das für Ihre Quellenprüfung?
Zwei Lücken sind zu benennen. Erstens ist nicht belegt, ob staatliche Stellen die Operation steuerten; die Berichte sprechen von „Russia-linked“ und von einem Ursprung in Russland, teils mit Hinweisen auf beteiligte Nutzer in Israel. Zweitens fehlen Reichweitenzahlen vollständig. Wörter wie „massiv“ stehen in den Meldungen ohne Metrik dahinter.
Für Kommunikation, Research und Marktbeobachtung in Unternehmen ändert das die Prüfroutine, nicht das Bedrohungsgefühl. Drei Handgriffe, die im Fall IBI gereicht hätten:
- Registrierungsdatum der Domain prüfen. Ein Institut mit angeblich etablierten Fellows und einer Website aus dem Vorjahr passt nicht zusammen.
- Bei genannten Fachleuten gegenprüfen, ob sie die Zugehörigkeit selbst irgendwo bestätigen. Falsche Zuschreibung war hier die Regel, nicht die Ausnahme.
- Kernaussagen von Studien und Indizes im Volltext bei der Originalquelle suchen. Kopierte Passagen fallen dabei binnen Minuten auf.
Wer diese Schritte nicht institutionalisiert, verlagert das Risiko in die Freigabe, und dort kostet es mehr. Das gilt für zitierte Fremdquellen genauso wie für Modellausgaben, bei denen Halluzinationen eine Frage der Prozesse und nicht der Prompts sind. Und die Website des Instituts war zum Zeitpunkt der Berichte weiter erreichbar, während die Konten gesperrt blieben.
Gefälscht wurde diesmal die Quelle.
Häufige Fragen
Was war an der Kampagne künstlich erzeugt – und was nicht?
ChatGPT erstellte laut OpenAI Kurztexte, Kommentare, Werbebeiträge sowie Logos und Profilbilder für das erfundene Institut. Die langen Fachartikel auf dessen Website waren dagegen überwiegend kopiert: 34 von 36 untersuchten Texten stammten aus anderen Quellen. Einige wurden zudem realen Wissenschaftlern zugeschrieben, obwohl diese nicht die Autoren waren.
Woran können Leser einen erfundenen Thinktank erkennen?
Prüfen Sie zuerst, ob genannte Autoren, Studien und Institutionen außerhalb der Website belegbar sind. Suchen Sie nach identischen Passagen, kontrollieren Sie die ursprünglichen Veröffentlichungsorte und achten Sie auf fehlende Impressums- oder Kontaktangaben. Ein professionelles Logo und fehlerfreie Texte beweisen keine Seriosität. Der Absender verdient dieselbe Prüfung wie seine Aussagen.
Warum ist der erfundene Absender so problematisch, wenn die Texte ohnehin kopiert waren?
Ein scheinbar unabhängiger Thinktank kann fremde Inhalte mit einem neuen Absender versehen und ihnen dadurch mehr politisches Gewicht geben. Falsche Autorennamen erschweren die Prüfung zusätzlich. Die Kampagne musste also keine originelle Forschung liefern. Sie nutzte eine glaubwürdige Fassade, um Meinungen über mehrere Plattformen zu verbreiten.
Beweist die Nutzung von VPN und russischen Prompts die Herkunft der Betreiber?
Nein. VPN-Verbindungen und russische Prompts sind Hinweise, aber für sich genommen kein abschließender Beweis. OpenAI stufte die Operation als sehr wahrscheinlich in Russland begonnen ein. Die Betreiber wollten russische Sprachspuren entfernen und Ausgaben auf Englisch oder Deutsch erhalten. Herkunft und Verantwortliche müssen deshalb getrennt bewertet werden.
Was bedeutet die Sperre für normale ChatGPT-Nutzer?
OpenAI sperrte am 25. August 2026 ein Cluster verbundener ChatGPT-Konten, das nach Unternehmensangaben dieser Kampagne diente. Daraus folgt keine pauschale Sperre für Nutzer aus einem bestimmten Land oder für politische Inhalte. Entscheidend war die koordinierte Nutzung des Dienstes für eine verdeckte Einflusskampagne, nicht ein einzelner Prompt.
Was sollten Plattformen und Leser aus dem Fall ableiten?
Plattformen müssen bei politischen Beiträgen stärker auf koordinierte Konten, falsche Absender und wiederverwendete Quellen achten. Leser sollten Aussagen unabhängig vom Logo, Profilbild oder vermeintlichen Institut prüfen. Für Redaktionen bleibt die Quellenprüfung unverzichtbar, weil KI zwar die Verbreitung beschleunigt, aber die Glaubwürdigkeit vor allem über den Absender erzeugt wird.
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