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Arbeit & Gesellschaft

Humanoide Roboter: Indien wird zum Sammelplatz für Bewegungsdaten

Bloomberg berichtet über Zehntausende Beteiligte an Kameraaufzeichnungen für Robotik. Die Zahl ist keine ausgewiesene landesweite Statistik; Vergütung und Datenrechte unterscheiden sich nach Auftrag und Betrieb.

Lukas GörögLukas Görög
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Symbolbild zur Erfassung menschlicher Bewegungen für Robotik
Symbolbild zur Erfassung menschlicher Bewegungen für Robotik

Laut Bloomberg tragen Zehntausende Beschäftigte in Indien ein Smartphone in einer Halterung am Kopf, die Kamera zeigt nach unten auf die eigenen Hände. Bloomberg hat diese Praxis am 8. September 2026 beschrieben – im Artikel „Workers Are Teaching AI-Powered Robots to Take Over Their Jobs“ und in der Podcastfolge „How India Is Training the Robots of the Future“. Die Aufnahmen sind Trainingsdaten: Aus fremder Handarbeit sollen humanoide Roboter lernen, Gegenstände zu greifen und Arbeitsschritte in der richtigen Reihenfolge auszuführen. Die Podcastbeschreibung nennt keine Stichprobe oder Erhebungsperiode für die Gesamtzahl.

Im Podcast von Bloomberg spricht die Reporterin Saritha Rai mit Host Rebecca Choong Wilkins. Der Ankündigungstext ordnet die Datensammlung in den Wettbewerb um KI zwischen den USA und China ein; die Größenordnung ist eine Angabe der Redaktion, keine ausgewiesene landesweite Statistik.

Humanoide Roboter lernen die Arbeit im Lager

Aufgezeichnet werden körperliche Tätigkeiten, wie sie in Recyclingbetrieben und Lagerhallen anfallen: Säcke sortieren und stapeln, Etiketten mit einer Klinge abziehen. Auch Nähen und Schweißen sind dokumentiert. Für den Einsatz in Wohnungen nennen die Berichte das Schneiden einer Mango und das Falten von Wäsche. Die Kamera am Kopf soll die Perspektive eines Roboters imitieren, der später am gleichen Platz stehen könnte. In der Fachsprache heißt das egozentrische DatenerhebungAufnahmen aus der Ich-Perspektive, meist mit einer Kamera am Kopf. Sie zeigen die Szene so, wie eine Maschine sie später selbst sehen würde..

Wem die Daten gehören, bleibt offen

Moneycontrol beschreibt Indien als Schwerpunkt dieser Datensammlung und verweist auf Bedenken beim Datenschutz: Die Kameras erfassen nicht nur die eigenen Hände, sondern die Umgebung samt Kollegen. Der Guardian berichtete am 24. Juni 2026, viele Beschäftigte wüssten nicht, wer die Aufnahmen besitze und wie lange sie gespeichert würden. Einer der befragten Fabrikarbeiter fragte, wer sie bezahle, wenn Roboter sie ersetzten. Bezahlte Datenarbeit für KI-Systeme entsteht nicht nur in Indien: In Kenia haben Textagenturen ein vergleichbares Muster in der Wissensarbeit erlebt.

Nach Einschätzungen, die der Guardian zitiert, braucht robuste Robotik künftig hunderte Millionen bis Milliarden Stunden aufgezeichneter menschlicher Tätigkeit. Belegt ist diese Größenordnung nicht, sie stammt aus Angaben von Unternehmen und Forschenden. Der Guardian nennt Tesla als Kunden von EgoLab. Eine vollständige Käuferliste oder Zuordnung sämtlicher Aufnahmen zu fertigen Produkten folgt daraus nicht. Ebenso lässt sich aus den unterschiedlichen Beschäftigungsformen kein einheitlicher Stundenlohn für alle Beteiligten ableiten.

Für einen konkreten Anbieter sind technische Angaben öffentlich: Die Nutzungsbedingungen der Objectways-App OW Recorder nennen kontoverknüpfte Video- und Sensordaten in AWS-S3-Speicher sowie Metadaten in Google Cloud Firestore. Diese Anbieterangaben belegen keine einheitliche Praxis der Branche und beantworten nicht, wie Einwilligung und Vergütung in jedem einzelnen Betrieb umgesetzt werden.

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