Humanoide Roboter: Indien wird zum Sammelplatz für Bewegungsdaten
Bloomberg beschrieb die Praxis am 8. September 2026 in einem Artikel und einem Podcast. In Neu-Delhi liegt die Bezahlung laut einem Bericht von WION bei rund 2,62 US-Dollar pro Stunde.

Zehntausende Beschäftigte in Indien tragen ein Smartphone in einer Halterung am Kopf, die Kamera zeigt nach unten auf die eigenen Hände. Bloomberg hat diese Praxis am 8. September 2026 beschrieben – im Artikel „How India Is Training the Robots of the Future“ und in der Podcastfolge „India's Role in the Robot Revolution“. Die Aufnahmen sind TrainingsdatenBeispieldaten, aus denen ein KI-System sein Verhalten ableitet. Bei Robotern sind es unter anderem Videoaufnahmen menschlicher Handgriffe.: Aus fremder Handarbeit sollen humanoide Roboter lernen, Gegenstände zu greifen und Arbeitsschritte in der richtigen Reihenfolge auszuführen. Bezahlt wird nach Stunden, in Neu-Delhi laut einem Bericht von WION mit rund 2,62 US-Dollar.
Im Podcast von Bloomberg spricht die Reporterin Saritha Rai mit Host Rebecca Choong Wilkins. Der Ankündigungstext ordnet die Datensammlung in den Wettbewerb um KI zwischen den USA und China ein und nennt Daten aus der realen Welt (im Original: „real-world data“) einen knappen Rohstoff.
Humanoide Roboter lernen die Arbeit im Lager
Aufgezeichnet werden körperliche Tätigkeiten, wie sie in Recyclingbetrieben und Lagerhallen anfallen: Säcke sortieren und stapeln, Etiketten mit einer Klinge abziehen. Auch Nähen und Schweißen sind dokumentiert. Für den Einsatz in Wohnungen nennen die Berichte das Schneiden einer Mango und das Falten von Wäsche. Die Kamera am Kopf soll die Perspektive eines Roboters imitieren, der später am gleichen Platz stehen könnte. In der Fachsprache heißt das egozentrische DatenerhebungAufnahmen aus der Ich-Perspektive, meist mit einer Kamera am Kopf. Sie zeigen die Szene so, wie eine Maschine sie später selbst sehen würde..
Wem die Daten gehören, bleibt offen
Moneycontrol beschreibt Indien als Schwerpunkt dieser Datensammlung und verweist auf Bedenken beim Datenschutz: Die Kameras erfassen nicht nur die eigenen Hände, sondern die Umgebung samt Kollegen. Der Guardian berichtete am 24. Juni 2026, viele Beschäftigte wüssten nicht, wer die Aufnahmen besitze und wie lange sie gespeichert würden. Einer der befragten Fabrikarbeiter fragte, wer sie bezahle, wenn Roboter sie ersetzten. Bezahlte Datenarbeit für KI-Systeme entsteht nicht nur in Indien: In Kenia haben Textagenturen ein vergleichbares Muster in der Wissensarbeit erlebt.
Nach Einschätzungen, die der Guardian zitiert, braucht robuste Robotik künftig hunderte Millionen bis Milliarden Stunden aufgezeichneter menschlicher Tätigkeit. Belegt ist diese Größenordnung nicht, sie stammt aus Angaben von Unternehmen und Forschenden. Welche Firmen die Aufnahmen kaufen und in welche Produkte sie eingeflossen sind, sagt keiner der Berichte. Zu Verträgen, zur Sozialversicherung oder zu einer Beteiligung der Beschäftigten am späteren Wert der Daten steht dort ebenfalls nichts. Wer an diesen Daten verdient, lässt sich so nicht sagen.
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