KI-Haftpflichtversicherung: Versicherer kalkulieren Schäden und investieren zugleich
Heise berichtet am 6. Oktober 2026 unter Berufung auf die «Financial Times». Die Haftungsfrage bleibt darin offen.

Versicherer rechnen durch, was Schäden durch künstliche Intelligenz sie künftig kosten könnten. Das berichtet Heise Online am 6. Oktober 2026, aktualisiert am 7. Oktober, unter Berufung auf die «Financial Times». Der Makler Aon hat dafür nach diesen Angaben mehr als 300 Gerichtsverfahren rund um KI ausgewertet. Eine eigene KI-Haftpflichtversicherung erwähnt der Bericht nicht: Die möglichen Schäden verteilen sich auf Sparten, die es längst gibt.
Cyberversicherung und Managerhaftpflicht sind betroffen
Als Beispiel nennt Heise die CyberversicherungPolice für Schäden aus Hackerangriffen, Datenverlusten oder Betriebsunterbrechungen in IT-Systemen.: Ein Unternehmen verlangt nach einem Hackerangriff mit KI-Bezug Ersatz. Dazu kommt die ManagerhaftpflichtVersicherung für persönliche Pflichtverletzungen von Vorständen und Geschäftsführern, international «D&O» genannt. bei KI-Unternehmen, also die Deckung für persönliche Pflichtverletzungen von Vorständen und Geschäftsführern. Eine Gesamtsumme der erwarteten Schäden nennt der Bericht nicht, ebenso wenig konkrete Anforderungen an Nachweise.
Die Verfahren, die Aon gezählt hat, entscheiden mit darüber, welche Klauseln in den nächsten Policen stehen. Wie weit die Spanne reicht, zeigt der Streit um Trainingsdaten: In einem Verfahren fordern Zeitungsverlage sogar die Vernichtung trainierter KI-Modelle. Wer am Ende haftet, ist nach dem Heise-Bericht weiterhin offen.
Nvidia spricht mit Versicherern über Kreditausfälle
Dieselben Unternehmen, die das Risiko kalkulieren, machen daraus ein Geschäft. Nvidia hat laut Heise Ende der Vorwoche mit Versicherern über ein Produkt gesprochen, das Kreditausfälle bei Start-ups absichern soll, etwa bei der Finanzierung von Rechenzentren. Angeboten werden bereits Deckungen für Kreditrisiken und für Wertverluste bei Chips. Auch Vertragsverletzungen, die aus dem Ausfall von Strom- oder Kühlsystemen in einem Rechenzentrum folgen, lassen sich versichern.
Ein Sekundärbericht von TradingKey vom 6. Oktober 2026 beschreibt eine Gegenbewegung: Versicherer zögen sich aus Risiken zurück, die von außer Kontrolle geratenen KI-Systemen ausgehen. Auch dieser Text beruft sich auf die «Financial Times», ein eigenständiger Beitrag der Zeitung ließ sich nicht prüfen. Die Angabe ist damit nicht unabhängig bestätigt.
Für Unternehmen verschiebt sich die Verhandlungslage. Wer KI in Kundenprozessen einsetzt, spricht künftig mit einem Versicherer, der dieselbe Technologie zugleich als Schadenquelle bewertet und als Absatzmarkt bedient. Solange die Haftung ungeklärt ist, läuft die Deckung über Cyber- und Managerhaftpflichtpolicen. Was dort gedeckt ist, steht in der jeweiligen Police.
Häufige Fragen
Gibt es bereits eine eigene KI-Haftpflichtversicherung?
Der Bericht nennt keine eigenständige KI-Haftpflichtversicherung. Schäden durch KI verteilen sich demnach auf bestehende Sparten wie Cyberversicherung und Managerhaftpflicht. Welche Police greift, hängt vom konkreten Vorfall, den Vertragsklauseln und der Rolle des beteiligten Unternehmens ab. Versicherer prüfen deshalb, wie sie KI-Risiken künftig in bestehende Angebote einordnen.
Wer haftet, wenn ein KI-System einen Schaden verursacht?
Das ist nach den ausgewerteten Verfahren häufig noch offen. Entscheidend kann sein, wer das Modell entwickelt, trainiert, bereitstellt oder eingesetzt hat. Bei Streit über Trainingsdaten kommen zusätzlich Rechte von Urhebern und Verlagen hinzu. Die Verfahren sollen deshalb zeigen, welche Verantwortlichkeiten Versicherer künftig in ihren Klauseln berücksichtigen müssen.
Welche bestehenden Versicherungen können KI-Schäden abdecken?
Der Bericht nennt vor allem die Cyberversicherung und die Managerhaftpflicht. Die Cyberversicherung kann bei Schäden im Zusammenhang mit einem Hackerangriff betroffen sein. Die Managerhaftpflicht betrifft persönliche Pflichtverletzungen von Vorständen und Geschäftsführern eines KI-Unternehmens. Ob eine konkrete Police zahlt, hängt vom Schaden und den vereinbarten Bedingungen ab.
Warum spricht Nvidia mit Versicherern über Kreditausfälle?
Nvidia sucht laut dem Bericht nach einer Absicherung für Kreditausfälle bei Start-ups, die etwa Rechenzentren finanzieren. Versicherer bieten bereits Schutz für Kreditrisiken und Wertverluste bei Chips an. Auch Vertragsverletzungen nach dem Ausfall von Strom- oder Kühlsystemen in einem Rechenzentrum können sich versichern lassen.
Was sollten Unternehmen vor dem Einsatz von KI versicherungstechnisch prüfen?
Unternehmen sollten zunächst klären, welche KI-Systeme sie einsetzen und welche Schäden daraus entstehen könnten. Dazu zählen Cybervorfälle, Vertragsverletzungen und mögliche Pflichtverletzungen der Leitung. Bestehende Policen sollten auf Ausschlüsse und Nachweispflichten geprüft werden. Der Bericht nennt jedoch keine fertige Checkliste oder einheitlichen Anforderungen für Versicherungsnehmer.
Was ändert sich für KI-Versicherungen als Nächstes?
Die mehr als 300 ausgewerteten Gerichtsverfahren können beeinflussen, welche Ausschlüsse, Nachweise und Haftungsregeln künftige Policen enthalten. Eine einheitliche KI-Versicherung ist daraus noch nicht entstanden. Zunächst dürften Versicherer einzelne Risiken in bestehende Sparten einordnen. Wie teuer der Schutz wird, lässt sich anhand des Berichts nicht sagen.
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