Dossiers ohne Einwilligung: Meta Muse erfasst Verwandte und Freunde
Exportierte Anweisungen beschreiben Beziehungsprofile. Was daraus folgt, welche Kontrollen Meta anbietet und warum ein pauschales Datenschutzurteil zu kurz greift.

Metas KI-Assistent Muse kann Informationen über Menschen verarbeiten, die den Dienst selbst gar nicht nutzen. Das bestätigt Meta in seinen Datenschutzhinweisen für Nichtnutzer. Eine Untersuchung exportierter Systemanweisungen zeigt außerdem, wie Muse Informationen über persönliche Beziehungen ordnen soll. Beides wirft eine praktische Frage auf: Welche Kontrolle haben Menschen über Daten, die andere über sie mit einem KI-Assistenten teilen? (Quelle: Meta)
Was die Untersuchung tatsächlich zeigt
WIRED berichtete am 3. Oktober über Systemanweisungen, die der Nutzer Karan Joshi über Muse auslesen konnte. Vorgesehen sind Seiten zu Personen aus dem Umfeld des Nutzers, mit Rubriken für Fakten, gemeinsame Geschichte, die Beziehung, Gemeinsamkeiten, offene Themen und die Stärkung der Beziehung. Die Anweisungen verlangen, verfügbare Informationen zu verwenden und keine persönlichen Details zu erfinden. (Quelle: WIRED)
Die dazu veröffentlichte technische Auswertung beschreibt einen stündlichen Hintergrundprozess. Er soll Menschen mit einer tatsächlichen Beziehung zum Nutzer berücksichtigen und unter anderem Fremde und bloß online verfolgte Personen ausschließen. Im untersuchten neuen Testkonto fand der Prozess noch nicht genügend Informationen. Daraus lässt sich nicht ableiten, dass Muse bei jedem Nutzer stündlich vollständige Kontaktakten erstellt. Die Auswertung bezeichnet sich zudem selbst als KI-generiert und beruht auf einem exportierten Systemstand; diese Grenze gehört zur Einordnung. (Quelle: veröffentlichte Auswertung)
Ein solcher Export ist auch kein Nachweis eines Einbruchs in Metas Infrastruktur. Meta beschreibt den Einblick in Dateien und deren Export als vorgesehene Funktion des Assistenten. Die Anweisungen geben Hinweise auf das geplante Verhalten; sie belegen nicht automatisch, wie das gesamte System im Alltag arbeitet. (Quelle: Meta zur technischen Architektur)
Wie Daten über Nichtnutzer zu Muse gelangen
Meta nennt unter anderem verbundene Dienste, Dokumente, Bilder, Videos und öffentliche Webseiten als mögliche Quellen. Daraus folgt kein unbegrenzter Zugriff auf sämtliche Nachrichten oder Fotos eines Nutzers. Nach eigener Aussage verknüpft Meta auf diesem Weg erhaltene Informationen über Nichtnutzer nicht mit deren Meta-Konten. Das ist eine Anbieterangabe, keine unabhängige Bestätigung anonymer Verarbeitung.
Für Nichtnutzer gibt es einen Weg, Datenschutzrechte geltend zu machen. Meta weist allerdings darauf hin, dass die Bearbeitung davon abhängen kann, ob sich die betreffenden Informationen einer Person zuordnen lassen. Genau hier bleibt eine praktische Schwierigkeit: Betroffene müssen zunächst erfahren, dass Daten über sie verarbeitet werden. (Hinweise und Kontaktweg für Nichtnutzer)
Was Nutzer löschen und abschalten können
Meta bietet unterschiedliche Kontrollen für Chats, Dateien und das GedächtnisGespeicherte Informationen, die ein Assistent in späteren Gesprächen wiederverwenden kann. Einträge können getrennt vom ursprünglichen Chat bestehen. von Muse. Wer nur eine Nachricht löscht, entfernt damit nicht zwangsläufig Informationen, die Muse daraus bereits ins Gedächtnis übernommen hat. Die Vergessen-Funktion soll passende Erinnerungen und unterstützende Informationen entfernen. Ein vollständiges Zurücksetzen umfasst laut Meta auch Chatverlauf, Dateien und aktive Aufgaben. Die anfänglich aktivierte Nutzung für Modelltraining lässt sich abschalten. (Quelle: Meta zur Datenverwaltung)
Warum die Einwilligung allein die Rechtsfrage nicht löst
Wo die DSGVO anwendbar ist, ersetzt die Zustimmung eines Muse-Nutzers nicht automatisch die Einwilligung seiner Kontakte. Einwilligung ist allerdings nur eine von mehreren möglichen Rechtsgrundlagen. Eine rechtliche Bewertung muss die konkrete Verarbeitung, ihren Zweck und die geltenden Voraussetzungen berücksichtigen; für besonders sensible Daten gelten zusätzliche Regeln. Aus den untersuchten Anweisungen allein lässt sich daher kein pauschales Urteil über die Rechtmäßigkeit ableiten. (Quelle: Europäischer Datenschutzausschuss)
Ebenso wenig geht die Verantwortung automatisch von Meta auf die Nutzer über. Entscheidend ist, wer Zwecke und Mittel der Verarbeitung festlegt. Die DSGVO kann rein persönliche Tätigkeiten ausnehmen, während die Anbieter der dafür eingesetzten Dienste weiterhin erfasst werden. (DSGVO, Artikel 2 und 4 sowie Erwägungsgrund 18)
Was sich daraus für den Alltag ergibt
Teilen Sie mit einem Assistenten nur die Informationen über andere, die für die konkrete Aufgabe nötig sind. Prüfen Sie verbundene Konten und Dateien, bevor Sie Zugriff freigeben. Wenn Angaben entfernt werden sollen, kontrollieren Sie Chat, Datei und Gedächtnis getrennt. Im Unternehmen gehören Kundendaten und Personalinformationen in einen freigegebenen Prozess mit klaren Zuständigkeiten.
Weitere Fälle behandeln wir in Recht und Regulierung und im Ressort KI-Agenten.
Häufige Fragen
Erstellt Muse bei allen Nutzern stündlich Kontaktprofile?
Das ist nicht nachgewiesen. Die untersuchten Anweisungen sehen einen stündlichen Hintergrundprozess für persönliche Beziehungen vor. Im beschriebenen neuen Testkonto fehlten noch ausreichende Informationen. Anweisungen belegen nicht automatisch das Verhalten in jedem Konto.
Woher können Informationen über Nichtnutzer stammen?
Meta nennt verbundene Dienste, bereitgestellte Dokumente, Bilder und Videos sowie öffentliche Webseiten. Daraus lässt sich kein pauschaler Zugriff auf sämtliche Nachrichten oder Fotos ableiten.
Was können betroffene Nichtnutzer tun?
Meta bietet einen Kontaktweg für Datenschutzanfragen von Nichtnutzern. Die Bearbeitung kann davon abhängen, ob Meta die betreffenden Informationen der anfragenden Person zuordnen kann. Der entsprechende Hinweis ist im Artikel verlinkt.
Wie zuverlässig wären solche Kontaktprofile?
Die beschriebenen Anweisungen verlangen, nichts zu erfinden. Das ist keine Genauigkeitsgarantie. Auch vorhandene Informationen können veraltet, missverständlich oder falsch zugeordnet sein. Die Untersuchung belegt keine allgemeine Fehlerquote der Profile.
Reicht es, einen Chat zu löschen?
Laut Meta kann daraus bereits gelerntes Wissen im Gedächtnis erhalten bleiben. Deshalb sind Chats, Dateien und Gedächtnis getrennt zu prüfen. Muse bietet eine Vergessen-Funktion und einen vollständigen Reset; außerdem lässt sich die Nutzung für Modelltraining abschalten.
Belegen die Anweisungen einen DSGVO-Verstoß?
Nein, ein pauschales Urteil folgt daraus nicht. Wo die DSGVO gilt, müssen unter anderem Zweck, Rechtsgrundlage, Transparenz und Betroffenenrechte geprüft werden. Die Zustimmung eines Nutzers ist nicht automatisch die Einwilligung seiner Kontakte; Einwilligung ist aber nur eine mögliche Rechtsgrundlage.
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