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Strategie & Management

KI-Kompetenz ist kein Weiterbildungsziel mehr: Die UBS macht sie zur Zulassungshürde für den Jahrgang 2027

Absolventen und Praktikanten im Investmentbanking der UBS müssen ab dem Einstiegsjahrgang 2027 im Gespräch belegen, wie sie KI produktiv nutzen. Einen veröffentlichten Katalog, was dabei als Nachweis gilt, gibt es nicht.

Lukas GörögLukas Görög3 Min. Lesezeit
UBS verlangt ab 2027 KI-Kompetenz von Nachwuchsbankern
UBS verlangt ab 2027 KI-Kompetenz von Nachwuchsbankern

Die Schweizer Großbank UBS macht KI-Kompetenz zur formalen Einstellungsvoraussetzung. Wer ab dem Jahrgang 2027 als Absolvent oder Praktikant in den Divisionen Global Banking und Markets anfangen will, muss im Bewerbungsgespräch belegen, wie er mit KI „Ergebnisse und Effizienz verbessern“ kann. Zuerst berichtete die „Financial Times“ am 6. September, einen Tag später zogen mehrere Medien nach, unter anderem The Decoder.

Die Anforderung tritt neben die bestehenden akademischen Kriterien, sie ersetzt sie nicht. Gefragt ist die praktische Anwendung: KI in Analyse, Recherche und Kundenarbeit, nicht das Bedienen eines Chatbots. Wer genommen wird, durchläuft danach das interne Programm „AI FluencyDie Fähigkeit, KI-Werkzeuge im Arbeitsalltag sicher und produktiv einzusetzen. Gemeint ist geübte Anwendung, nicht technisches Wissen über KI-Modelle. Pathway“. Es arbeitet laut Thenextweb mit echten Fallstudien aus der Bank und regelt, wie die Werkzeuge verantwortungsvoll genutzt werden.

Neu ist daran, dass KI-Kompetenz die Seite wechselt: von der Weiterbildung, die ein Arbeitgeber anbietet, zur Hürde, an der eine Bewerbung scheitert. Die NZZ hält fest, die Fähigkeit sei bei der UBS längst karriererelevant und fließe in die Leistungsbeurteilung ein. Ein weiterer Bericht formuliert es schärfer: Wie gut ein Mitarbeiter KI-Werkzeuge einsetze, wirke direkt auf Einstellung, Beförderungsrunden und Gehaltsberechnung.

KI-Kompetenz wird im Interview abgefragt

Wie das im Gespräch aussieht, hat die NZZ mit Beispielfragen beschrieben. Gefragt wird etwa, ob jemand KI-AgentenProgramme, die auf Basis eines Sprachmodells Aufgaben über mehrere Schritte selbständig abarbeiten, etwa recherchieren, Daten abrufen und Ergebnisse zusammenstellen. einzusetzen weiß (Programme, die Aufgaben in mehreren Schritten selbständig abarbeiten), ob er selbst schon welche gebaut hat und ob er Beispiele aus Studium oder Berufspraxis nennen kann. Eine Frage sticht heraus: Wie hat sich Ihre KI-Nutzung in den vergangenen sechs Monaten verändert?

Das ist eine klügere Frage, als sie klingt. Sie prüft kein Wissen, sondern eine Gewohnheit, und erfinden lässt sie sich kaum. Wer die eigene Arbeitsweise wirklich umgestellt hat, erzählt von einem konkreten Fall, von einem Versuch, der nichts brachte, von einer Grenze, an die er stieß. Wer nur Vokabular gelernt hat, bleibt allgemein.

Ein Maßstab, den niemand offenlegt

Was die UBS im Detail verlangt, hat sie nicht veröffentlicht. Die Berichte vom 6. und 7. September nennen Beispielfragen und allgemeine Beschreibungen, aber kein Kompetenzraster: Welches Niveau beim PromptenDas Formulieren von Anweisungen an ein KI-Modell. Wie präzise ein Prompt ist, entscheidet stark über die Qualität der Antwort., beim Bauen von Agenten oder in der Datenanalyse genügt, bleibt offen. Auch zur Ausweitung gibt es nur Vages. Adalytica schreibt, die Anforderung werde sich voraussichtlich auf weitere neue Rollen im Konzern erstrecken. Bestätigt ist bisher allein der Campus-Einstieg in Global Banking und Markets.

Damit hängt viel an den Interviewern. Sie müssen unterscheiden, ob jemand ein Werkzeug beherrscht oder nur gut darüber redet. Ohne definierte Fälle, an denen sich beides zeigt, wird aus der Prüfung ein Gespräch über Selbstdarstellung. Und für Berufseinsteiger verschärft sich eine ohnehin unangenehme Lage: Sie sollen Erfahrung mitbringen, während Unternehmen gerade jene Aufgaben automatisieren, an denen man sie früher erworben hat. Wir haben das an anderer Stelle beschrieben, als die erste Sprosse der Karriereleiter wegbrach.

Die Lehrjahre verschieben sich nach vorn

Für andere Unternehmen ist der Fall UBS weniger ein Vorbild als eine Aufforderung, präziser zu werden. Wer KI-Kompetenz zum Auswahlkriterium macht, muss sagen können, welche Aufgabe damit besser erledigt werden soll: eine Wettbewerbsanalyse, ein Kundenbrief, ein Datenabgleich. Erst daraus ergibt sich, was ein Bewerber zeigen können muss. Der Weg über einen internen Lernpfad, wie die UBS ihn mit dem „AI Fluency Pathway“ beschreibt, ist zugleich ein Eingeständnis: Die Auswahl allein reicht nicht. Andere Konzerne nehmen dafür viel Geld in die Hand, etwa Caterpillar mit 100 Millionen Dollar für Weiterbildung.

Mich beschäftigt an dieser Meldung weniger die Bank als die Verschiebung der Beweislast. Bisher lernte man den Beruf im Unternehmen. Künftig soll man das Werkzeug schon mitbringen, mit dem der Beruf gerade neu geschrieben wird. Nur weiß niemand genau, wie dieses Werkzeug in zwei Jahren aussieht.

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