Tesla, Waymo und Zoox: Robotaxi-Überwachung macht das Auto zum öffentlichen Raum
Die Betreiber ersetzen den menschlichen Fahrer durch Kameras und lagern die rechtliche Verantwortung auf ihre Kundschaft aus.

Die Robotaxi-Überwachung wird zum Streitfall um die Privatsphäre. In den autonomen Fahrzeugen von Waymo und Zoox zeichnen Innenraumkameras die Passagiere auf (Quelle: WIRED). Die Alphabet-Tochter Waymo setzt automatisierte Systeme ein, um Regelverstöße im Fahrzeug zu erkennen. Zoox, ein zu Amazon gehörender Entwickler von Roboterautos, gibt auf seiner Website an, dass Kameras die gesamte Fahrt erfassen. Die Unternehmen wollen damit die Sauberkeit kontrollieren, verlorene Gegenstände finden oder bei Sicherheitsvorfällen eingreifen. In den USA gelten für diese Praxis kaum verbindliche Regeln. Fahrgäste stimmen der Aufzeichnung über lange Nutzungsbedingungen zu.
Regeln für die Robotaxi-Überwachung
Mitarbeitende der Betreiber sehen sich die Aufnahmen laut eigenen Angaben nur bei konkretem Bedarf an. Waymo-Sprecherin Julia Ilina erklärte, Automatisierung helfe dem Team dabei, mögliche Verstöße zu erkennen. Bei Bedarf leiten die Firmen Aufnahmen an Behörden weiter. Justin Brookman von der Verbraucherorganisation Consumer Reports fordert deshalb eine unabhängige Kontrolle der Betreiber.
Vergangene Woche aktualisierte Tesla die Datenschutzhinweise für sein kommendes Robotaxi (Quelle: Tesla). Innenraumkameras senden Daten demnach nur bei einer aktiven Fahrt an das Unternehmen, falls Insassen Unterstützung anfordern oder ein Sicherheitsereignis eintritt.
Das Unternehmen verlagert die Pflicht zur Aufklärung auf die Kundschaft: Wer die Fahrt bucht, muss das Einverständnis aller Mitfahrenden einholen.
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Design gegen unerwünschtes Verhalten
Ein Grund für die genaue Beobachtung ist das Verhalten der Fahrgäste. Forschende aus Wissenschaft und Industrie diskutierten Ende September in Schweden, wie das Fahrzeugdesign sexuelle Aktivitäten in autonomen Autos erschweren kann (Quelle: Ars Technica). Der Forscher Alexandros Rouchitsas sagte, Autoinnenräume seien in der Popkultur schon immer für Sex instrumentalisiert worden. Die Gruppe um Rouchitsas schlägt eine ungemütlichere Sitzanordnung und permanente Warnhinweise auf Kameras vor. Konkrete Zahlen zur Häufigkeit solcher Vorfälle nennt keiner der Berichte.
Ein fehlender menschlicher Fahrer löst ein Verkehrsproblem und schafft gleichzeitig ein Überwachungsproblem. Die lückenlose digitale Aufzeichnung ersetzt den sozialen Druck durch den Blick in den Rückspiegel. Damit verschiebt sich die rechtliche Verantwortung: Wer ein autonomes Fahrzeug bucht, haftet künftig für das Einverständnis und das Verhalten aller Mitfahrenden. Die Fahrzeugkabine verliert ihren Status als privater Raum und wird zum öffentlich überwachten Bereich.
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