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Wirtschaft & Geschäftsmodelle

KI-Infrastruktur verlangt Milliarden: Warum Anthropic vor der eigenen Pleite warnt

Engpässe bei Strom und Speicherchips könnten das Bautempo der Tech-Giganten bremsen. Der Entwickler Anthropic warnt derweil vor den Folgen zu geringer Umsätze.

Lukas GörögLukas Görög2 Min. Lesezeit
KI-Infrastruktur: Goldman Sachs erwartet Investitionsboom
KI-Infrastruktur: Goldman Sachs erwartet Investitionsboom

Die Technologiekonzerne Amazon, Alphabet, Microsoft, Oracle und Meta investieren bis zum Jahr 2027 voraussichtlich 1,2 Billionen Dollar in KI-Infrastruktur (Quelle: The Decoder, nach Goldman Sachs). Das sind über 50 Prozent mehr als im laufenden Jahr. Laut den Analysten handle es sich gemessen am Bruttoinlandsprodukt um den größten Investitionszyklus seit dem Bau der Eisenbahnen im 19. Jahrhundert. Fehlender Strom, knappe Arbeitskräfte und fehlende Speicherchips könnten dieses Bautempo allerdings bremsen.

KI-Infrastruktur verlangt hohe Vorauszahlungen

Wie teuer der Betrieb von Sprachmodellen ist, zeigt der Entwickler Anthropic. Das US-Unternehmen schloss einen Cloud-Vertrag über sieben Jahre und 11,6 Milliarden Dollar mit dem Dienstleister Akamai Technologies (Quelle: The Decoder). Im Gegenzug erhält Anthropic einen Optionsschein auf bis zu fünf Prozent der Akamai-Aktien. Der Bericht beziffert die Summe der Rechenleistungsverträge von Anthropic innerhalb der vergangenen elf Monate auf 517 Milliarden Dollar. CEO Dario Amodei warnte öffentlich, sein Unternehmen könne pleitegehen, falls die Umsatzprognosen nur minimal verfehlt würden. Ein Verlust von Regierungsaufträgen wiegt bei derart hohen Fixkosten schwer.

Geopolitik steuert die Hardware

Der enorme Bedarf an Hardware zwingt Hersteller zur Expansion. Ein Partnerunternehmen des taiwanischen Fertigers TSMC plant ein zweites Chipwerk in Singapur (Quelle: Bloomberg). Gleichzeitig greifen staatliche Handelsbeschränkungen direkt in den Markt ein. Der chinesische Hersteller Huawei weicht auf das Stapeln von Teilchips aus, weil das Unternehmen nicht bei TSMC einkaufen darf (Quelle: Heise). Die US-Regierung prüft derzeit, ob chinesische Konzerne wie Alibaba und ByteDance neue Nvidia-Chips des Typs RTX Pro 5500 kaufen dürfen (Quelle: Bloomberg). Zudem wächst die europäische Konkurrenz, deren Chips dichter an die Leistung von Nvidia heranrücken. Ein Nebeneffekt dieser massiven Hardwarebeschaffung ist die ökologische Belastung: Forscher schätzen den kommenden Elektroschrott aus Rechenzentren deutlich höher ein als bisher angenommen.

Künstliche Intelligenz ist längst kein reines Softwaregeschäft mehr. Die harte Abhängigkeit von physischen Rechenzentren verschiebt die Marktverhältnisse zugunsten der Kapitalstärksten. Wer heute ein führendes Modell trainiert, muss industrielle Anlagen vorfinanzieren. Start-ups ohne massive Geldgeber haben in diesem Wettlauf um Rechenleistung keine Chance.

Quellen:

Häufige Fragen

Wie belastbar ist die Prognose von 1,2 Billionen Dollar?

Die Zahl ist eine Prognose, keine verbindliche Zusage. Goldman Sachs rechnet damit, dass Amazon, Alphabet, Microsoft, Oracle und Meta bis 2027 rund 1,2 Billionen Dollar investieren. Strommangel, knappe Fachkräfte und fehlende Speicherchips könnten Projekte verzögern oder verteuern. Der tatsächliche Betrag hängt deshalb von Nachfrage, Umsätzen und Genehmigungen ab.

Warum kosten Sprachmodelle inzwischen so viel Geld?

Sprachmodelle benötigen dauerhaft Rechenleistung, Speicher und Cloud-Kapazitäten. Anthropic schloss laut Bericht einen Vertrag über sieben Jahre und 11,6 Milliarden Dollar mit Akamai. Die Summe der gemeldeten Rechenleistungsverträge des Unternehmens soll binnen elf Monaten 517 Milliarden Dollar erreicht haben. Hohe Fixkosten machen verfehlte Umsatzprognosen besonders riskant.

Wie können KI-Anbieter solche Infrastrukturkosten wieder einspielen?

Sie brauchen zahlende Unternehmenskunden, Cloud-Verträge und öffentliche Auftraggeber. Anthropic-Chef Dario Amodei warnte, sein Unternehmen könne bei leicht verfehlten Umsatzprognosen pleitegehen. Das zeigt, wie eng die Finanzplanung mit der Auslastung der Rechenzentren verbunden ist. Der Verlust eines Regierungsauftrags kann bei hohen festen Kosten erheblich ins Gewicht fallen.

Welche Folgen haben Exportkontrollen für die verfügbare Hardware?

Handelsbeschränkungen verändern, welche Chips Unternehmen kaufen können und wo neue Fabriken entstehen. Ein Partner von TSMC plant ein zweites Werk in Singapur. Huawei setzt auf das Stapeln von Teilchips, weil der Einkauf bei TSMC nicht möglich ist. Zugleich prüft die US-Regierung den Verkauf neuer Nvidia-Chips an chinesische Konzerne.

Was bremst den Ausbau der KI-Rechenzentren?

Der Ausbau braucht mehr als Geld und Chips. Goldman Sachs nennt fehlenden Strom, knappe Arbeitskräfte und mangelnde Speicherchips als mögliche Engpässe. Fehlen Netzanschlüsse, Fachkräfte oder Bauteile, können geplante Rechenzentren später starten. Das begrenzt kurzfristig die verfügbare Rechenleistung und kann die Kosten für Cloud-Dienste erhöhen.

Ist der Vergleich mit dem Eisenbahnbau im 19. Jahrhundert gerechtfertigt?

Goldman Sachs bezeichnet den erwarteten KI-Investitionszyklus gemessen am Bruttoinlandsprodukt als den größten seit dem Eisenbahnbau. Das ist eine historische Einordnung der Analysten, keine sichere Vorhersage über den wirtschaftlichen Nutzen. Entscheidend bleibt, ob die zusätzliche Rechenleistung dauerhaft Nachfrage erzeugt und die hohen laufenden Kosten der Anbieter trägt.

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